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Mehr als nur «Green»

Wer Golf spielt, locht nicht nur Bälle ein, sondern erlebt auch die Natur. Der Golfclub Wylihof in Luterbach engagiert sich ganz speziell für die Umwelt und wurde dafür als erster Golfclub des europäischen Festlandes mit dem «Golf Environment Award» ausgezeichnet.

«Wir haben den Eisvogel auf unseren Teichen beobachtet und uns überlegt, wie wir einen Nistplatz für ihn einrichten könnten», sagt Ryun Holden, Greenkeeper des Golfclubs. Um die Höhe von 1.5 Metern über Wasser zu erreichen, auf der Eisvögel nisten, war eine stattliche Anhäufung von Material nötig. Da kam die Idee auf, das Habitat nicht auf Eisvögel zu begrenzen, sondern auch für Amphibien wie Frösche und Molche sowie für Bienen einzurichten. Durch Einfallsreichtum und Tatendrang entstand so das Dreifach-Hibernarium, ausgezeichnet mit dem «Golf Environment Award 2019» in der Kategorie «Outstanding Environmental Project of the Year».

«Ein umweltfreundliches Managementprogramm kostet weniger, nicht mehr»
Wer denkt, dieses vielseitige Tierhotel sei das einzige Nachhaltigkeitsprojekt des Golfclubs Wylihof, hat sich getäuscht. Ein wichtiger Schritt in der Umstellung auf mehr Nachhaltigkeit war die Wahl einer neuen Grassorte. Für Greenkeeper stellt sich dabei immer die Grundsatzfrage: Wie halte ich den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln tief, ohne dabei an Spielqualität einzubüssen? Holden und sein Team haben sich für eine Mischung aus Straussgräsern und Schwingel für die Greens sowie Lolch und Schwingel für Tees und Fairways entschieden. Da diese Gräser einen tieferen Nährstoff- und Wasserbedarf aufweisen und langsamer wachsen als ihre Vorgänger, wurde das Mähen um bis zu 40% reduziert. Das spart Maschineneinsatz, Treibstoff und Arbeitszeit.

Es ist nicht der einzige Fall, in dem sich eine Massnahme auch finanziell gelohnt hat: Die Installation eines neuen Pumpsystems führte zu einer Reduktion des Strombedarfs um 25% und einer Einsparung von 10 000 Franken im ersten Jahr. «Andere Golfclubs sollten wissen, dass ein umweltfreundliches Managementprogramm weniger kostet, nicht mehr», so Holden.

Der Golfer will mehr als nur golfen
Es gibt aber nicht nur ökonomische Motive: «Die Spielfläche verbindet uns direkt mit der Umwelt. Wer beim Golfen einen Vogel zwitschern hört, oder ein Reh oder eine Schlange sieht, spürt die Kraft der Natur», so Holden. Was an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in den Boden gelangt, wird über die Kreisläufe der Natur immer seinen Weg zurück zu uns Menschen finden. Daher sieht der Golfclub Wylihof seine Aufgabe auch als Betreiber einer Grünanlage, der die Natur nicht nur zum Golfen nutzt, sondern auch Habitate für Tiere schaffen kann.

Die Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg
«Je nach Struktur eines Golfclubs ist die Kommunikation die grösste Herausforderung in der Umstellung», meint Meyer. Einmal im Monat wurde daher im Rahmen des Projekts «Walk and Talk» interessierten Mitgliedern über die Infrastruktur und das Greenkeeping berichtet. «Das meiste Interesse riefen dabei die Nachhaltigkeitsmassnahmen hervor. Das hat mich erstaunt und zugleich motiviert, weiter darüber nachzudenken, wie sich die Nachhaltigkeit verbessern liesse», strahlt Holden.

Das Nachhaltigkeitskonzept zieht sich durch alle Arbeitsschritte durch. Von den elektrischen Golfcarts, über das Pellets-Heizungssystems bis hin zur Abfalltrennung unterliegt alles dem Gesamtkonzept der Nachhaltigkeitsplanung. Punkt 5 der Ethik-Charta, «Das Verhalten untereinander und gegenüber der Natur ist von Respekt geprägt», wird so beeindruckend in die Praxis umgesetzt.

Die Bemühungen sind indes noch lange nicht zu Ende. Die Aussaat der neuen Gräser wird noch weitere zwei Jahre dauern. Zudem werden Ende Winter Brutkästen für Falken und Meisen platziert, welche von den Kindern des nahe gelegenen Kindergartens bemalt worden sind. Man darf gespannt sein, welche neuen Ideen noch ausgebrütet werden.

Bildquellen: Wylihof
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